Umweltgift in Milch & Futtermittel&


Umweltgift in Milch und Futtermitteln

In Milch und Futtermitteln von Betrieben im Kärntner Görtschitztal ist das Umweltgift Hexachlorbenzol (HCB) festgestellt worden. Vorgeschriebene Grenzwerte wurden um das Vierfache überschritten. Eine Gefährdung der Konsumenten liege bisher nicht vor, sagte Agrarlandesrat Christian Benger (ÖVP).

HCB wurde früher als Beizmittel gegen Pilzerkrankungen bei Getreide eingesetzt. Seit mehr als 13 Jahren ist das Mittel weltweit verboten. Das Umweltgift kann zudem als Nebenprodukt bei chemischen Prozessen entstehen. Ausgelöst worden sei die Umweltgefährdung durch Emissionen ungeklärter Herkunft, so Benger. „Das HCB ist in der Milch und in Futtermitteln festgestellt worden. Die Werte haben die zulässigen Grenzwerte überschritten, dies ist mir gestern in der Nacht mitgeteilt worden. Ich betone ganz ausdrücklich: Bisher hat keine Gefährdung der Konsumenten stattgefunden.“ Es seien sofort Maßnahmen eingeleitet worden, die Futtermittel würden entsorgt, weder Milch noch Fleisch werde in den Handel kommen. Betroffen von der Kontamination sind bis zu 35 Betriebe im Görtschitztal, bei „einer Handvoll“ von ihnen wurde das Umweltgift bereits nachgewiesen. Die betroffenen Betriebe („allesamt Milchbetriebe“) seien gesperrt worden.

Mehrere 100 Kühe vor Schlachtung

Bereits seit Ostern sei bekannt, dass es eine Belastung im Görtschitztal gibt, bis Dienstag seien die gesetzlichen Grenzwerte für das Umweltgift aber nicht überschritten worden. Die kontaminierte Milch und die Futtermittel - es geht um Heu und um Gras - werden vernichtet. Die Kühe, es dürfte um mehrere hundert gehen, werden geschlachtet. Sollte das Fleisch belastet sein, wird es nicht zum Verkauf freigegeben. Wie viele Tiere genau betroffen sind, wird noch erhoben.

Chemiebetriebe als Auslöser: Kein Kommentar Bengers

Der Herkunft der Emissionen werde jetzt auf den Grund gegangen. Die Frage, ob die Überschreitung bei den Hexachlorbenzol-Werten etwas mit den im Görtschitztal angesiedelten chemieverarbeitenden Betrieben zu tun habe, wollte Benger nicht beantworten. Die Milch sei nach dem Umweltgift untersucht worden, das Überschreiten der Grenzwerte sei erstmalig aufgetreten. Das gesamte Görtschitztal werde ab Donnerstag einzelbetrieblich untersucht, so Benger. Das Umweltgift sei über die Luft in das Futter und dann in die Milch gelangt.

Auf die Frage, ob durch die Luftemission nicht doch auch Menschen betroffen sein könnten, sagte Benger: „Das mag sein, hier gilt es jetzt zu prüfen, wie die Situation ist. Die Konzentration in der Milch, die erstmalig die Grenzwerte überschritten hat, ist ein erstes Ereignis.“

LK-Präsident vermutet „Verursacher in der Region“

Johann Mößler, der Präsident der Kärntner Landwirtschaftskammer, sagte: „Es muss einen Verursacher in der Region geben.“ An Umweltlandesrat Rolf Holub (Grüne) erging die Aufforderung, die Quelle des Umweltgifts in dem Kärntner Tal zu finden. Bei anderen landwirtschaftlichen Erzeugnissen im Tal wurden zunächst keine Grenzwertüberschreitungen festgestellt. Benger und Mößler betonten, dass die Bauern in dieser Sache Opfer seien. „Ich werde alles unternehmen, damit den Bauern kein Schaden erwächst“, sagte der Agrarlandesrat. Am Donnerstag soll es in der Landesregierung Gespräche zum weiteren Vorgehen geben. Ein Sprecher des Unternehmens Kärntner Milch sagte zur APA, die betroffenen Betriebe seien keine Lieferanten der Molkerei.

Das „dreckige Dutzend“

Bei Hexachlorbenzol handelt es sich um einen Stoff, der früher als Trockenbeizmittel bei Getreide eingesetzt wurde. Es gehört zu den zwölf Stoffen („Dreckiges Dutzend“), die durch das Stockholmer Übereinkommen weltweit verboten wurden. Die APA hatte von einer Überschreitung des Grenzwertes von 400 Prozent gesprochen, dieser Wert wurde jedoch vom Landesveterinär Harald Rema dementiert.

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Quelle; http://kaernten.orf.at/news/stories/2681428/